• Goblets, Schüsseln und Kratere – Die Keramik der Perioden Troia VI und VIIa. more

(co-autor Wendy Rigter). In: KORFMANN, MANFRED O. (ED.): Troia. Archäologie eines Siedlungshügels und seiner Landschaft (Mainz 2006) 231-240.

Manfred O. Korfmann (Hrsg.) Archäologie eines Siedlungshügels und seiner Landschaft Troia Philipp von Zabern 420 Seiten mit 82 Farb- und 320 Schwarzweißabbildungen Umschlag vorne: Blick auf Troia, im Hintergrund die Dardanellen (Troia-Projekt, Foto: Hakan Öge). Vorsatz vorne: Phasenplan des gesamten Siedlungsareals von Troia (Troia-Projekt, Peter Jablonka). Frontispiz: Bronzefigurine aus Troia VIIa (Troia-Projekt, Foto: Mehmet Gülbiz). Vorsatz hinten: Phasenplan der Burg von Troia (Troia-Projekt, Peter Jablonka). Umschlag hinten: Rekonstruktion der Siedlung von Troia VI (Universität Tübingen und ART + COM AG, Berlin). Weitere Publikationen aus unserem Programm finden Sie unter: www.zabern.de Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über <http://dnb.ddb.de> abrufbar. © 2006 by Verlag Philipp von Zabern, Mainz am Rhein ISBN-10: 3-8053-3509-1 ISBN-13: 978-3-8053-3509-6 Wissenschaftliche Redaktion: Diane Thumm-DoÕrayan, Stephan W. E. Blum Gestaltung: Frank Schweizer, Göppingen Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es auch nicht gestattet, dieses Buch oder Teile daraus auf photomechanischem Wege (Photokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen oder unter Verwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten und zu verbreiten. Printed in Germany by Philipp von Zabern, Mainz Printed on fade resistant and archival quality paper (PH 7 neutral) · tcf Editorial »Die Zukunft ist die Folge dessen, was Du hinterlassen hast«. Dieses Motto begleitete Manfred O. Korfmann über viele Jahre hinweg, und der vorliegende Sammelband sollte ein weiterer Schritt in diese Richtung sein. Die Idee dazu entwickelte er während eines Gesprächs im Kreise jüngerer Fachstudenten, denen er den Facettenreichtum moderner archäologischer Forschung nachdrücklich vor Augen halten und darauf hinweisen wollte, daß in Troia zu arbeiten heute, in einer Zeit vielseitig vernetzter Interdisziplinarität, weitaus mehr bedeute, als noch zu Beginn der Ausgrabungen. Das Buch ist nicht als abschließende Publikation der seit 1988 unter der Leitung von Manfred O. Korfmann durchgeführten Ausgrabungen in Troia gedacht, sondern soll allen Interessierten einen über das rein Archäologische hinausgehenden Eindruck von den Zielsetzungen, Arbeitsweisen und Ergebnissen der verschiedensten am Projekt beteiligten Disziplinen vermitteln: Was ist Archäometrie? Wozu dienen paläogeographische Untersuchungen? Was aßen und tranken die Troianer im 3. Jt. v. Chr.? Mit wem pflegte man in der späten Bronzezeit politische Kontakte? Vertreter möglichst vieler Fachrichtungen sollten im Rahmen des vorliegenden Bandes die Möglichkeit erhalten, aus ihrer speziellen Sicht der Dinge Antworten auf diese und viele weitere Fragen zu ihrem Themenbereich zu geben. Infolge einer kurzen schweren Krankheit war »Osman Bey«, Manfred O. Korfmann, jedoch nicht die Chance gegeben, die Entstehung seines Buchs bis zum Zeitpunkt der Drucklegung zu begleiten. Als Verantwortliche für die wissenschaftliche Betreuung des Bandes haben wir uns in Zusammenarbeit mit den Autoren und dem Verlag Philipp von Zabern jedoch bemüht, alle seine Wünsche und inhaltlichen Erwartungen so zu realisieren, daß das vorliegende Werk »Troia – Archäologie eines Siedlungshügels und seiner Landschaft« sicherlich seinen Vorstellungen entsprochen hätte. Diane Thumm-DoÕrayan Stephan W. E. Blum Inhaltsverzeichnis 1 Manfred O. Korfmann Troia – Archäologie eines Siedlungshügels und seiner Landschaft Historischer Rahmen 15 Turan Efe Anatolische Wurzeln – Troia und die frühe Bronzezeit im Westen Kleinasiens Ulf-Dietrich Schoop Assyrer, Hethiter und KaAkäer – Zentralanatolien im zweiten Jahrtausend vor Christus Wolf-Dietrich Niemeier Zwischen Mykene und þattusa – Westkleinasien und die Ägäis in der mittleren und späten Bronzezeit Joachim Latacz und Frank Starke Wilusa und die Großen Vier – Troia in der politischen Landschaft der Späten Bronzezeit Hermann Genz Ein neues Metall macht Furore – Die frühe Eisenzeit in West- und Zentralanatolien Charles Brian Rose Am Schnittpunkt von Ost und West – Das westliche Kleinasien in griechischer und römischer Zeit 29 47 57 71 81 Forschungsgeschichte 107 Donald F. Easton Mit der Ilias im Gepäck – Die Erforschung Troias bis 1890 Diane Thumm-DoÕrayan Und doch war alles anders … Wilhelm Dörpfeld und Carl William Blegen 117 123 Ulrich Veit Mehr als eine »Wissenschaft des Spatens« – Troia und die Geburt der modernen Archäologie Die Siedlungsabfolge Troias 133 Sinan Ünlüsoy Vom Reihenhaus zum Megaron – Troia I bis Troia III Stephan W. E. Blum Troia an der Wende von der frühen zur mittleren Bronzezeit – Troia IV und Troia V Ralf Becks Troia in der späten Bronzezeit – Troia VI und Troia VIIa Peter Jablonka Leben außerhalb der Burg – Die Unterstadt von Troia Ralf Becks, Pavol Hnila und Magda PieniƒÄek-Sikora Troia in der frühen Eisenzeit – Troia VIIb1–VIIb3 Charles Brian Rose Auf mythengetränktem Boden – Ilion in griechischer, römischer und byzantinischer Zeit 145 155 167 181 189 Analyse von Artefakten 201 Devrim Çal¿s-Sazc¿ Die Troianer und das Meer – Keramik und Handelsbeziehungen der sog. »Maritimen Troia-Kultur« Göksel Sazc¿ und Mikhail Treister Troias Gold – Die Schätze des dritten Jahrtausends vor Christus Marcus Müller Ex oriente lux? – Troia und Ägypten im Geflecht der internationalen Beziehungen Petar Zidarov Alltagsleben in Zeiten von Krieg und Frieden – Bronzezeitliche Artefakte aus Knochen, Geweih und Elfenbein Peter Pavúk und Wendy Rigter Goblets, Schüsseln und Kratere – Die Keramik der Perioden Troia VI und VIIa Penelope A. Mountjoy Mykenische Keramik in Troia – Ein Überblick Ekin Kozal »Made in« Zypern – Kyprische Gefäße der Spätbronzezeit in Troia Manfred Klinkott Mit spitzem Stift und Maßband – Angewandte Methoden der Bauforschung in Troia Dietrich Mannsperger Vom Zahlungsmittel zum Leitartefakt – Münzen und Münzfunde in Ilion 209 219 227 231 241 253 259 265 Naturwissenschaftliche Untersuchungen 277 Henrike Kiesewetter »Knochenarbeit« – Anthropologische Forschungen an Skeletten aus Troia Margarethe Uerpmann Von Adler bis Zahnbrassen – Der Beitrag der Archäozoologie zur Erforschung Troias 283 VIII Inhaltsverzeichnis 297 Simone Riehl Unser täglich Brot … Pflanzenproduktion und Ernährung in Troia Hans Günter Jansen Das unsichtbare Troia sichtbar gemacht – Chancen und Ergebnisse der Anwendung neuer Prospektionsmethoden Àlhan Kayan Mit dem Kernbohrer in die Vergangenheit – Geoarchäologische Interpretationen der holozänen Sedimente in der Troas Christian Wolkersdorfer Wasser, Quell des Lebens – Hydrogeologische Untersuchungen in Troia Manfred O. Korfmann, Norbert Frank und Augusto Mangini Eingang in die Unterwelt – Die Höhle von Troia und ihre Datierung Farkas Pintér und Muharrem Sat¿r Scherben unter dem Mikroskop – Archäometrische Keramikanalysen in Troia Ernst Pernicka Metalle machen Epoche – Bronze und Eisen als Werkstoffe und Handelsware 309 317 329 337 343 349 Untersuchungen zur Geschichte der Landschaft 355 Utta Gabriel Ein Blick zurück – Das fünfte Jahrtausend vor Christus in der Troas Gebhard Bieg Archäologie und Geschichte einer Landschaft – Die Troas von der griechischen Kolonisation bis in die byzantinische Zeit Rüstem Aslan »Die Gegend war nämlich äußerst unsicher…« – Leben in der Troas vom 16. bis 20. Jahrhundert Susanne Bocher Steinmetze, Köhler, Kalkbrenner – Ethnoarchäologie in der Troas Bibliographie Abbildungsnachweis 361 373 387 399 418 Inhaltsverzeichnis IX Goblets, Schüsseln und Kratere – Die Keramik der Perioden Troia VI und VIIa Peter Pavúk und Wendy Rigter Stratigraphische Grabungen auf dem Hügel Hisarl¿k unter der Leitung von Carl W. Blegen in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts und deren sehr sorgfältige Publikation 20 Jahre später1 hatten weitgehende Auswirkungen auf unser Verständnis der westanatolischen und ägäischen Archäologie. Für Westanatolien blieb Troia jahrzehntelang die einzige gut ausgegrabene und gut dokumentierte Fundstelle aus dem 2. Jt. v. Chr., begleitet nur von Beycesultan im Südwesten.2 Bekannt waren freilich auch andere Fundstellen, die aber meistens nur mangelhaft ausgegraben waren oder ganz unpubliziert blieben. Bei der Auswertung von Keramikmaterial anderer Fundstellen, sei es von regulären Grabungen oder Geländebegehungen, war man auf Vergleiche mit dem zur Verfügung stehenden Material angewiesen – also solches aus Troia oder Beycesultan.3 Deshalb wird unter Umständen jede wichtigere Änderung unserer Kenntnisse über Troia weitgehende Folgen für die Datierung bzw. Deutung solcher Funde haben, vor allem derjenigen aus dem anatolischen Nordwesten. Ein detailliertes Studium von Keramik führt nämlich nicht nur zu allgemeinen Kenntnissen über die Art und Weise, wie man damals dinierte, sondern auch zur Funktion der einzelnen ausgegrabenen Hausbereiche oder unbebaut stehenden Arealen. In diesem Sinne ist auch ihr Datierungspotential wichtig. In regelmäßigen Zeitabständen kam es damals wie heute zu einem »Modewechsel«, der sich auch in den Keramikformen niederschlägt und so können bestimmte Befunde oder Schichten oft nur anhand der vor Ort gefundenen Keramik datiert werden. Erst die neuen Grabungen ermöglichten, neues Licht auf die ganze Problematik zu werfen. Carl W. Blegen war überzeugt, daß mit Troia VI eine völlig neue Ära beginnt. Die Veränderungen zur vorangehenden Periode Troia V sah er in fast allen Bereichen: neuer Keramik, einem neuen Architekturkonzept, anderen Kleinfunden oder dem ersten Auftreten des Pferdes, mit anderen Worten: der Ankunft eines neuen Volkes, womöglich verwandt mit den damaligen Stämmen auf dem griechischen Festland.4 Die Präsenz feiner Keramik, dekoriert im mykenischen Stil, sollte seine Ansicht bestärken. Fast alle diese Behauptungen bedürfen aber heute einer Korrektur oder zumindest einer Differenzierung. Blegen unterteilte Troia VI in 8 Phasen, bei denen es sich jedoch um Architekturphasen und nicht um Keramikphasen handelt. Im Sinne von Keramik sprach er nur von 3 Subperioden: Früh (VIa–c), Mitte (VId–e) und Spät (VIf–h). Nichtsdestoweniger zeigte eine detaillierte Analyse aller stratifizierten Kontexte der neuen Grabungen, daß es doch möglich Abb. 1 Troia VI Früh. Bead-Rim– Schüssel in Red Coated Ware. A7.1460.1, Höhe: 22 cm. ist, mehrere Keramikphasen zu definieren und damit die troianische Chronologie zu verfeinern. Dies ist besonders hilfreich bei dem Versuch, verschiedene Areale, die über das gesamte Ausgrabungsgelände verteilt sind, stratigraphisch zu verbinden oder in Bezug zu anderen Regionen zu setzen. Die Keramikbearbeitung ist jedoch noch nicht endgültig abgeschlossen und so ist zu betonen, daß die folgenden Ergebnisse zwar mittlerweile gut faßbar sind, aber immer noch vorläufig bleiben. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Troia VI in vier keramische Phasen unterteilt werden kann. Diesen schließt sich Troia VIIa ebenbürtig an. Die Korrelation der neuen Troia VI-Keramikphasen mit dem Blegenschen System von Architekturphasen sieht folgendermaßen aus: 1. Phase = VIa, 2. Phase = VIb/c, 3. Phase = VId–f, 4. Phase = VIg/h, wobei die dritte Phase zusätzlich zwei Subphasen aufweist, möglicherweise auch die erste Phase. Zu betonen ist, daß Blegens Phase VIc sich nur als ein Konstrukt erwiesen hat und nicht weiter benutzt werden sollte. Ebenfalls wichtig ist die neue Erkenntnis, daß Blegens Phase VIf keramisch – und wohl auch kulturell – nicht als Teil von Troia VI Spät, sondern noch als Ende von VI Mitte zu betrachten ist. Troia VI Früh (ca. 1750–1590 v. Chr.) Bescheidene Anfänge (ca. 1750–1680 v. Chr.) Über die Jahre hinweg fragte man sich immer wieder, wie der Übergang von Troia V zu Troia VI ausgesehen hat und ob es überhaupt einen direkten Übergang gibt. Die Kluft zwischen diesen beiden Phasen schien nach Blegens Argumentation unüberwindbar zu sein, so daß entweder von der Ankunft neuer Leute oder sogar von einem Hiatus gesprochen wurde. Zweifel an einer solchen Kluft hat bereits Kurt Bittel in seiner Rezension zu dem Band über Troia VI geäußert.5 Er wies darauf hin, daß die Veränderungen zwischen Troia V und VI zwar vorhanden sind, aber in so einem markanten Ausmaß, wie von Blegen geschildert, erst am Ende von Troia VI deutlich werden – wobei dazwischen gut 400 Jahre liegen. Blegens Grabungen schufen eine relativ klare Vorstellung vom Ende der Periode Troia VI, seine Kenntnisse über die Anfänge von Troia VI waren dagegen lückenhaft und ließen eigentlich kein solch weitgehendes Urteil zu. Die neuen Grabungen bestätigen eher die Ansicht von Bittel. Von einem Hiatus zwischen Troia V und VI gehen wir in der Zwischenzeit nicht mehr aus. Der Übergang erscheint so fließend, daß wir oft nicht wissen, ob bestimmte Befunde noch an das Ende von Troia V oder bereits an den Anfang von Troia VI zu datieren sind. Irgendwo in diesem Übergang ist auch das Kindergrab mit einer importierten minoischen Kanne als Beigabe einzuordnen.6 Der Großteil der Keramik der ersten Phase steht noch in der Tradition von Troia V, die sich vor allem in Form von verschiedenen auf der Töpferscheibe hergestellten Schüsseln und Hiatus Zeitliche Unterbrechung zwischen zwei Siedlungsphasen. 232 Peter Pavúk und Wendy Rigter Abb. 2 Troia VI Früh. Lianokladi-Goblet in Anatolischer Grauware. D20.387.4, Höhe: 20 cm. Goblet Mittel und spätbronzezeitliche Gefäßform mit Standfuß, ähnlich einem Kelch. Schalen in sog. »Red Coated Ware« manifestiert (Abb. 1). Dazu kommen noch einfache beigefarbene Teller in sogenannter Plain Ware. Beide Waren sind relativ fein gemagert, leicht porös und gut gebrannt, wobei die Red Coated Ware einen polierten roten Überzug aufweist. Grobe Waren führen ebenfalls die Troia V-Tradition weiter, entwickeln aber neue Gefäßformen. Als Neuerscheinung taucht in dieser Zeit Anatolische Grauware mit einem ganzen Spektrum neuer Gefäßformen auf.7 Es handelt sich um scheibengedrehte, fein gemagerte, hartgebrannte Ware mit geglättetem8 grauen Überzug, der manchmal einen seifigen Charakter hat. Das Aufkommen einer grauen Ware ist umso auffallender, als das frühbronzezeitliche Farbenspektrum der Keramik vornehmlich durch rote, beige und braune Farbtöne beherrscht wurde. Früher hat man diese Ware in Zusammenhang mit der sog. »Grauminyschen Ware« gebracht, die vor allem aus Zentralgriechenland bekannt war. Neue Untersuchungen zu den beiden Arten von grauen Waren zeigten aber deutliche Unterschiede in Hinsicht auf deren chronologische Stellung und Typologie, so daß beide Gattungen nicht als dieselbe Erscheinung behandelt werden sollten. Bei der Auswertung der einen sollte man die andere jedoch nicht außer acht lassen. Neue Gefäßformen Anatolischer Grauware in dieser Phase bestehen vor allem aus Trinkgeschirr und kommen fast alle tatsächlich vom griechischen Festland: Lianokladi-Goblet (Abb. 2), Pteleon-Goblet (Abb. 6), bauchige Tasse und möglicherweise auch Kantharos.9 Außerdem wurde in Anatolischer Grauware noch eine lokale Schüsselform hergestellt, die sog. »Bead-Rim Bowl«. Die Grauware macht zu dieser Zeit nur eine relativ kleine Menge aus, die aber trotzdem maßgeblich für die Datierung dieser Schichten ist. Sie erscheint zwar auch anderswo im anatolischen Nordwesten, die Gefäßformen des griechischen Festlands sind aber nur an den Küstenfundstellen auffindbar. Im Landesinneren kommen dagegen nur lokale anatolische Formen vor. Die erste Phase ist auf dem griechischen Festland ungefähr zeitgleich mit der Periode Mittelhelladisch III. An Dekoration erscheinen vor allem Glättmuster auf beiden Seiten von Bead-Rim Schüsseln in Grauer Ware und am Hals größerer Hydrien in Plain Ware. Im allgemeinen läßt sich aber sagen, daß die Troianer eher »verzierungsfaul« waren und das gilt für Troia VI and VIIa insgesamt. Was Kontakte zu anderen Regionen anbelangt, deuten die minoische Kanne und Scherben von ca. zehn mittelgroßen Transportgefäßen auf Beziehungen zur Südägäis. Wenn man also nach einer Übergangsphase zwischen Troia V und Troia VI sucht, ist es auf jeden Fall diese Phase, die auch der ersten architektonischen Phase von Blegen (VIa) entspricht. Zeitalter der Konsolidierung (ca. 1680–1590 v. Chr.) In der zweiten Phase verändert sich die Szenerie. Die Troia V-Schüsseln verschwinden zusammen mit der Red Coated Ware langsam; dagegen nimmt der Anteil Anatolischer Grauware etwas zu, und es treten als Neuerscheinung verschiedene beige und rötliche feine bis mittelgrobe Waren in kleineren Mengen auf. Die ägäischen Goblets aus der ersten Phase sterben aus, die »Bauchige Tasse« wird durch ein breites Spektrum an zweihenkligen grauen Kantharoi ersetzt, die Bead-Rim-Schüssel bekommt eine senkrechte Schulter und wird durch verschiedene zweihenklige Schüsseln ebenfalls westanatolischen Ursprungs ergänzt, für die besonders eine gerippte Schulter typisch ist (Abb. 4). An geschlossenen Formen tritt zum ersten Mal ein Krug in Anatolischer Grauware auf, meist mit einer Kleeblattmündung. Goblets, Schüsseln und Kratere 233 Abb. 3 Troia VI Mitte. Mattbemaltes Halsgefäß. G8.37-1092, Höhe: 23 cm. Grazile Formen der bauchigen Tassen fehlen in dieser Phase aber nicht gänzlich. Sie sind in feiner roter naturbelassener Ware, wie auch in geglätteter Plain Ware vertreten. In letzterer kommen auch kleine Schalen und mittelgroße Kessel vor, die oft mit feiner weißer pastöser Bemalung verziert sind. Fast identische weißbemalte Gefäße sind in großen Mengen von der Insel Samothrake bekannt und es ist zu vermuten, daß auch die Beispiele aus Troia von dort importiert wurden. An andere Waren aus Samothrake, Lemnos und Lesbos erinnern in Troia wiederum die oben erwähnten mittelgroben, beigen, geglätteten Waren, welche vor allem als größere, zweihenklige Gefäße mit Rillendekoration an der Schulter (Abb. 5) bzw. als mittelgroße Transportgefäße vorkommen. Es scheint also, daß in dieser Zeit intensive Beziehungen vor allem zu den Nachbarinseln bestanden. Südägäische Fragmente sind jedoch gleichfalls vorhanden. Neu dazu kommen Importe aus Milet,10 zuerst nur vereinzelt, später jedoch häufiger. Allgemein läßt sich diese Phase ungefähr mit der Periode Späthelladisch I parallelisieren. Abb. 4 Troia VI Früh. Gerippte Schüssel in Anatolischer Grauware. K8.119.6, Höhe: 10 cm. 234 Peter Pavúk und Wendy Rigter Troia VI-Mitte (ca. 1590–1430 v. Chr.) Mit der dritten Phase kommen wir schon in Blegens Troia VI Mitte. Dies ist eine sehr lückenhaft dokumentierte und definierte Subperiode und dasselbe gilt auch für den Übergang zu VI Spät. Anatolische Grauware ist mittlerweile zur dominierenden feinen Ware geworden, begleitet von verschiedenen rötlichen und beigen Waren, die aber eine Minderheit darstellen. Neu dazu kommt die sog. »Tan Ware«, eine Gattung, die zuerst nur allmählich an Häufigkeit zunimmt. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine beige-orangene Variante der Anatolischen Grauware, die unter oxidierenden Verhältnissen gebrannt wurde. Schritt für Schritt ersetzt sie das bisherige helle Spektrum von Waren der Phase Troia VI Früh, bestehend aus Plain Ware, geglätteter Plain Ware, Roter Ware und Red-Wash Ware. Bauchige Tassen geraten definitiv aus der Mode und der Tassenmarkt wird von grauen karinierten Tassen und Kantharoi beherrscht. Ebenfalls populär werden tiefere zweihenklige graue Schüsseln mit einem Wulst unter dem Rand. An geschlossenen Formen setzt sich die Kleeblattkanne fort; neu erscheint ein zweihenkliges karaffenartiges Gefäß mit Rillenverzierung auf der Schulter (Abb. 11, links). Typische früheste Tan Ware-Formen sind Teller, kleine kalottenartige henkellose Schüsseln und Kleeblattkannen. Später entwickeln beide Waren eine Reihe neuer bauchiger Kraterformen, die in der folgenden vierten Phase einen Bauchknick bekommen. Die Inselwaren setzen sich zuerst fort, verschwinden jedoch später. Rosafarbene milesische Ware wird in der dritten Phase etwas häufiger und zeigt größere Formenvielfalt; in der Regel handelt es sich bei beiden Waren um mittelgroße Transportgefäße. An fremden Waren tauchen außerdem Scherben mit einfacher und polychromer Mattmalerei auf (Abb. 3).11 Das Phänomen der Mattmalerei ist allerdings wesentlich komplexer, als es zu Blegens Zeit schien und so können noch keine näheren Aussagen zum Ursprung dieser Scherben gemacht werden; sie sollten aber auf keinen Fall aus der westlichen Ägäis kommen. Interessant ist indes das Vorkommen von zwei minoischen Bügelkannen aus älteren Grabungen, die an das Ende der dritten Phase datieren.12 Es ist ebenfalls die Zeit des ersten Aufkommens von feiner Keramik bemalt im mykenischen Stil.13 Die ältesten mykenischen Scherben, die in den bisherigen Grabungen entdeckt wurden, datieren nach Späthelladisch IIA. Die dritte keramische Phase ist aber von etwas längerer Dauer und umfaßt auch Funde aus der Phase Späthelladisch IIB.14 – [P. P.] Abb. 5 Troia VI Früh. Bauchiges Gefäß in der »Insel Ware«. x7.353, Höhe: 23 cm. kariniert Mit geknickter Wandung. Abb. 6 Troia VI Früh. Pteleon-Goblet in Anatolischer Grauware. A7.1213.7, Höhe: 15 cm. Die Blütezeit – Troia VI Spät (ca. 1400–1300 v. Chr.) Zur Bestimmung der Keramik der letzten keramischen Phase von Troia VI können nicht nur die Funde aus den entsprechenden Schichten des Siedlungshügels, sondern auch diejenigen aus dem Unterstadtfriedhof mit Brandgräbern ca. 550 m südlich der Burg, wie auch das Material vom Friedhof am Besik Tepe, dem Hafen von Troia, herangezogen werden.15 Bei der Feinkeramik werden vor allem Anatolische Grauware und Tan Ware in großen Mengen produziert und kommen etwa im Verhältnis 1:1 vor. Dazu kommt noch bemalte mykenische Keramik, die zwar an Häufigkeit gewinnt, nie aber 2–3 % übersteigt. Neue Forschungen Goblets, Schüsseln und Kratere 235 ergaben sogar, daß die Mehrheit der mykenischen Keramik in Troia gar nicht importiert, sondern lokal hergestellt sein soll.16 Nichtsdestoweniger wird in der letzten keramischen Phase von Troia VI fast ein Viertel aller grauen und beigen monochromen Gefäße in mykenischen oder mykenisch inspirierten Formen getöpfert. Dieser Trend setzt möglicherweise schon am Ende der dritten Phase ein. Das Warenspektrum in Troia VI Spät umfaßt natürlich auch Grobkeramik, in der vor allem Kochtöpfe und große Vorratsgefäße (Pithoi) hergestellt wurden. Ein Teil der aus Troia VI Mitte bekannten Formen sind in Troia VI Spät ebenfalls belegt. Die vierte Phase zeichnet sich aber durch eine ganze Reihe neuer Formen aus. An offenen Gefäßen sind dies, neben Tellern mit und ohne Fuß, die schon erwähnten kalottenartigen Schalen, die neu dazugekommenen karinierten Schalen mit zwei horizontalen Henkeln und einem Kylixfuß, sowie die Kylikes selbst. Außerdem gibt es eine Reihe von Kraterformen, die sich vor allem als Graburnen besonders gut erhalten haben. An geschlossenen Formen erscheinen Krüge und Kleeblattkannen. Manche Formen lassen sich aus dem mykenischen Formenspektrum ableiten; viele sind aber doch stärker anatolisch geprägt, als das aus Blegens Publikation ersichtlich ist. Schließlich seien noch zwei außergewöhnliche Keramikformen erwähnt. Es handelt sich erstens um eine Pilger- oder Linsenflasche, deren Form anatolisch ist, die aber auch auf dem griechischen Festland zu finden ist (Abb. 11, rechts). Diese Form eignet sich gut als Transportgefäß und hat sicherlich Flüssigkeit enthalten.17 Bei der zweiten Form handelt es sich um einen zylindrischen Gefäßuntersatz, der auch mykenische Bemalung aufweisen kann.18 Ähnliche kommen schon seit der zweiten Phase in Anatolischer Grauware vor. Anhand der mykenischen Keramik können wir die vierte keramische Phase in die Periode Späthelladisch IIIA datieren.19 Pilger- oder Linsenflasche Keramikgefäß in Form einer flach gedrückten Feldflasche. Die Keramik aus Troia VIIa ( = VIi) (ca. 1300–1190/80 v. Chr.) Die bedeutende Stadt Troia VI ging vermutlich durch ein Erdbeben zugrunde. In der nachfolgenden Stufe VIIa, deren Definition hauptsächlich auf Veränderungen in der Architektur beruht,20 wurde die Burgmauer ausgebessert sowie eine Bebauung mit kleinteiligen GebäuAbb. 7 Troia VI Spät. Ösengefäß aus Tan Ware. z7.1421.1 Höhe: ca. 26,5 cm. 236 Peter Pavúk und Wendy Rigter Kanaanäische Amphore Aus der syrisch-palästinischen Region stammende Gefäßart, die als Transportgefäß verwendet wurde. den durchgeführt. Ferner ist eine Intensivierung der Vorratshaltung zu beobachten, wie man aus der großen Menge z. T. riesiger Pithoi schließen kann.21 Die Stadt wird von den gleichen Bevölkerungsgruppen weiterbesiedelt. Ihre Alltagskultur gleicht sehr stark derjenigen von Troia VI Spät, so daß es nicht verwunderlich ist, in der vorgefundenen Keramik keinen kulturellen Bruch festzustellen. Daher fällt es bisweilen schwer, die Keramik aus Troia VIIa von derjenigen aus Troia VI Spät zu unterscheiden. Dennoch kann man diese Stufe in der Regel anhand der Warenzusammenstellung und des Vorkommens neuer Gefäßformen von Troia VI Spät abgrenzen. Die Tan Ware wird deutlich häufiger, übersteigt sogar den Anteil der Grauen Ware und wird durch eine bräunliche Variante ergänzt. Viele der Troia VI Spät-Formen existieren auch in Phase VIIa weiter. Neu dazu kommen zum Beispiel Teller mit verdickter Lippe (häufig in Tan Ware), eine Reihe kleinerer Kannen, eine bestimmte Art von karinierten Schüsseln und eine tiefe zweihenklige Schale.22 Während der Anteil an bemalter mykenischer Keramik gleich hoch bleibt, gehen Zahl und Häufigkeit der mykenischen Formen in Grauer- und Tan Ware zurück. An offenen mykenischen Formen kommen Skyphos, Becher und konische Kylix vor. Im Bereich der geschlossenen Formen sind es kleine Krüge und Amphoriskoi, die möglicherweise auch durch mykenische Formen inspiriert sein könnten.23 Außer dem mykenischen Einfluß sind an Importkeramik in Troia VI Spät und Troia VIIa besonders einige zyprische Keramikfragmente hervorzuheben,24 sowie in Phase VIIa Fragmente von kanaanäischen Amphoren, die auf Verbindungen zur Levante hinweisen könnten. Die Verzierung der Keramik aus Troia VI und VIIa Wie oben erwähnt, betrieben die Troianer für die Dekoration der Keramik wenig Aufwand. Um den gewünschten optischen Effekt zu erzielen, konzentrierten sich die spätbronzezeitlichen Töpfer auf Form- und Farbgebung. Die häufigsten Verzierungen sind Wellen- und Strichlinien, die vor dem Brand in den leicht getrockneten Ton eingeritzt wurden. Eine ganz besondere Art der Keramikverzierung sind Imitationen von metallischen Vorbildern. Die metallimitierenden Verzierungen lassen sich in drei Gruppen einteilen: Nachahmungen von metallischem Glanz, von Nieten und von Knopfhenkeln.25 Dazu kommt der Sonderfall eines Tan Ware-Gefäßes mit rillenverzierter Öse. (Abb. 7) Womöglich kann diese Öse auch auf Metallvorbilder zurückzuführen sein, wie z. B. ein Fragment einer Bronzetasse26 aus Mykene mit einem rillenverzierten Henkel zeigt. Diese Bronzetasse weist zwar keine Öse Abb. 8 Troia VIIa. Krater aus Tan Ware mit Dekoration. B7.8.3, Höhe: ca. 22 cm. Goblets, Schüsseln und Kratere 237 auf, doch ist die Rillenverzierung ausgesprochen ähnlich. Es wäre also möglich, daß das troianische Gefäß nicht nur die Rillenverzierung von Metallgefäßen imitiert, sondern die Metallhenkel des Originals in Ösen umwandelt, die für Keramikgefäße geeigneter sind. Um metallischen Glanz zu erzielen, wurde die ursprünglich eher matte Gefäßoberfläche glattpoliert. Dazu bediente man sich entweder eines Tuchs oder eines Werkzeuges, welches einen braunschwarzen, streifigen, schlierenartigen Überzug erzeugt, wie er in Troia häufig belegt ist. Carl W. Blegen betrachtete diesen Überzug als eine Besonderheit der Tan Ware aus Troia VIIa.27 Die Durchsicht des Materials zeigte indes, daß dieses Merkmal bereits in Troia VI vorkommt. Um eine besondere Fundgruppe handelt es sich bei Kraterfragmenten, die zu einem Gefäß aus Tan Ware gehören. In einzigartiger Weise kommen auf diesen Fragmenten drei Verzierungsarten vor: Nietimitationen auf dem Henkel, eingeritzte Wellenlinien und eingeritzte Strichlinien unter dem Rand sowie rote Bemalung auf Rand und Bauch. (Abb. 8) In den keramischen Phasen 3 und 4 von Troia VI kommen häufig Protomen in Form eines Tierkopfes vor, die als Ornament oder Henkel dienen. Während die Beispiele aus der Phase Troia VI Spät meist stark stilisiert dargestellt sind, war in Troia VI Mitte ein recht naturalistisches Exemplar eines Pferdekopfes aus Ton auf dem Rand eines Gefäßes befestigt. (Abb. 9) Die Ohren und das Pferdemaul sind leicht beschädigt, aber die eingestochenen Nasenlöcher und das eingeritzte Maul sind gut sichtbar. Die Pferdemähne ist stilisiert wiedergegeben. Auffallend ist eine horizontale Durchlochung, die vielleicht den Zweck hatte, das Gefäß aufzuhängen. Nach Blegen hatten die Protomen eine kultisch-zeremonielle Bedeutung; indes weist Korfmann auf die Bedeutung des Pferdes als Handelsprodukt hin, das auch militärische Bedeutung hatte.28 Eine hohlgeformte, mit Punkt- und Streifendekor bemalte Stierfigur aus Tan Ware, bei der es sich möglicherweise um ein Gefäß gehandelt haben könnte, wurde innerhalb des sog. Terrassenhauses in der westlichen Unterstadt gefunden (Abb. 10).29 Abb. 9 Troia VI Mitte. Pferdeprotome aus Anatolischer Grauware. A8.1270.1, Höhe: ca. 8cm. Die Funktion der Keramik aus Troia VI und VIIa Funktion und Wert eines Gefäßes können durch den kulturellen Kontext des Fundortes bestimmt werden. Um festzustellen, welche Keramik wofür benutzt wurde, bedienen wir uns zunächst der vier funktionalen Kategorien, die Carl W. Blegen in den 1930er Jahren aufgestellt hat: Trink- und Eßgefäße, Gießgefäße, Speichergefäße und sonstige Gefäße (Abb. 11). Blegens Kategorie der Speichergefäße läßt sich aber noch weiter aufgliedern: Gefäße zum Transport von Gütern, Gefäße für Verarbeitung und Kochgefäße. Abgesehen von den Benutzungskategorien der troianischen Waren wurde Keramik auch sekundär verwendet, z. B. als durchlochte und gerundete Scherben. Die Funktion der durchlochten Scherben ist jedoch nicht ganz klar. Vielleicht wurden sie als Spielzeugräder benutzt; andererseits könnten sie auch eine kultische Bedeutung gehabt haben, doch auch eine Funktion als Webgewicht oder Deckel ist nicht auszuschließen.30 Gerundete Scherben könnten beispielsweise auch zum Gerben benutzt worden sein, aber auch diese Funktion ist bislang nicht nachgewiesen. – [W. R.] Protome Rand- oder Henkelaufsatz, in Troia teilweise tier- oder menschengestaltig. 238 Peter Pavúk und Wendy Rigter Weitere Überlegungen zur Troianischen Keramik Fast die gesamte Keramikproduktion erfolgte auf der Drehscheibe und es ist zu vermuten, daß die Keramik größtenteils von Spezialisten hergestellt wurde. Mit der Zeit ist die Einführung einer schnelleren Drehscheibe zu beobachten, wahrscheinlich schon in Troia VI Spät, aber auf jeden Fall in Troia VIIa. Bis jetzt wurde in Troia noch keine Keramikwerkstatt ausgegraben, aber es ist zu vermuten, daß solche Produktionsstätten eher am Rande der Stadt lagen, wo bis jetzt noch nicht gegraben wurde. Diesbezüglich wurde kürzlich eine sehr interessante Beobachtung publiziert, die das Erkennen von größeren Kuppelöfen bei der elektromagnetischen Prospektion betrifft.31 Die Öfen zeichnen sich durch ein charakteristisches Erscheinungsbild mit einer zentralen positiven und einer negativen Anomalie im Norden aus. Tatsächlich sind solche Anomalien in der ganzen mittleren und äußeren Unterstadt zu beobachten. Da sie unausgegraben sind, bleibt allerdings deren Datierung fraglich; sie könnten auch in hellenistische oder römische Zeit datieren. Ansonsten konnte man bis zum heutigen Tage keine klaren Unterschiede in der Geschirrzusammenstellung innerhalb von Troia erkennen. Dies könnte darauf hindeuten, daß die einzelnen Haushalte weniger spezialisiert waren, oder daß die industrielle Produktion allgemein außerhalb oder am Rande der Stadt vollzogen wurde. Natürlich ist eine gewisse Differenzierung zwischen Burg und Unterstadt zu erwarten. Der Palast von Troia VI, der ehemals sicher in der Mitte der Burg stand, fiel leider dem Bau eines der Göttin Athena geweihten heiligen Bezirks zum Opfer. Es scheint aber, daß die größeren Häuser, die auf einer tiefergelegenen Terrasse der Zitadelle standen und dem Schicksal des Palastes entgangen sind, mehr mykenische Keramik und allgemein mehr Feinware als Grobware aufweisen. Zu erwarten wäre vielleicht auch ein Unterschied zwischen Siedlungskeramik und der Keramik, die in den zwei naheliegenden Gräberfeldern aus der Zeit um 1300 v. Chr. gefunden wurde.32 Es gab zwar bevorzugte Formen, die man entweder als Urnen oder Beigaben nutzte, aber bis auf wenige Ausnahmen – flaschenartige Gefäße mit zwei kleinen Vertikal- Abb. 10 Troia VIIa. Stierfigur aus bemalter Tan Ware. A7.87, rekonstruierte Höhe ca. 20 cm, Länge ca. 34. Goblets, Schüsseln und Kratere 239 henkeln an der Schulter – verwendete man einfach das, was es in der Siedlung gab. Weiterhin sind spezifische Keramikfunde z. B. in den Tempeln oder Heiligtümern zu erwarten. In Troia wurden zwar einige Stellen ausgegraben, die man vielleicht als kultisch bezeichnen könnte; leider gab es dazu keine gut stratifizierten Schichten mit aussagekräftigen Funden. –[P. P.] Abb. 11 Troia VI. Verschiedene Gefäßformen der Anatolischen Grauware. Anmerkungen 10 Diese Ware wurde in Troia von Marta Gu- 21 Pithoi und Vorratsgefäße in Troia werden 1 2 Blegen et al. 1953. – Blegen et al. 1958. Lloyd/Mellaart 1965. – Mellaart/Murray 1995. 3 French 1967. – French 1969b. 4 Blegen 1963, 111–113, 145. 5 Bittel 1956, 242–243. 6 S. hierzu den Beitrag von Stephan W. E. Blum, in diesem Band ab S. 145, Abb. 13. 7 Diese Problematik wurde ausführlich in Pavúk 2002b und Pavúk 2006 besprochen. Dort sind auch weitere Literaturangaben zu finden. Zur Anatolischen Grauware allgemein: Bayne 1963 (2000); Allen 1990; Schachner 1994/95. 8 Die Oberflächenbehandlung liegt zwischen Glättung und Politur. 9 Für eine weitere Diskussion aller hier genannten Keramikformen: Pavúk 2002a. zowska erkannt, welche zur Zeit auch ein gesondertes Projekt zu Importwaren betreut. 11 Blegen et al. 1953, Fig. 382. 12 Mountjoy 1997d, 283–285. 13 Zu Ursprung und Datierung in Troia siehe den Beitrag von Penelope Mountjoy, in diesem Band S. 241. 14 Mountjoy 1997d. 15 Basedow 2000. – Becks 2002. 16 Mountjoy 1997d, 292. – Mommsen et al. 2001. 17 Chemische Untersuchungen einer troianischen Pilgerflasche aus Anatolischer Grauware haben gezeigt, daß sie eine Flüssigkeit enthielt, die mit aller Wahrscheinlichkeit als Milch zu identifizieren war (Sauter 2000); zum archäologischen Kontext der Pilgerflasche: Korfmann 1998. 18 Siehe auch Schmidt 1902, 158, Abb. 3230. 19 Mountjoy 1997d, 277, 292. 20 Blegen et al. 1958, 6–8. momentan von Diane Thumm-DoÕrayan bearbeitet. 22 Pavúk 2002a, 61. 23 Blegen et al. 1958, 26–27. – Mountjoy 1999c, 301. 24 Blegen et al. 1953, Fig. 417. – Åstrom 1980. Kyprische Keramik aus Troia wird momentan von Ekin Kozal bearbeitet. Siehe auch den Beitrag von Ekin Kozal, in diesem Band S. 253. 25 Rigter 2002, 307–314. 26 Matthäus 1980, Taf. 41, Abb. 346. – Rigter 2002, 312. 27 Blegen et al. 1958, 22. 28 Korfmann 2001f, 402. 29 Korfmann 2003, 11 f. – Rigter/Thumm 2004. 30 Balfanz 1995b, 119. 31 Jansen 2002. 32 Basedow 2000. – Blegen et al. 1953, 370–391. 240 Peter Pavúk und Wendy Rigter
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